Die AfD in Bremen

Vergangenen Mittwoch hatte die Alternative für Deutschland eine Veranstaltung zur Europawahl. Die Veranstaltung selbst lief recht ruhig ab, ca. 80 Gegendemonstranten fanden sich vor dem Versammlungsort ein und wurden von gefühlt ebensovielen Polizisten bewacht.

Nachdem ich Mittwoch Abend bereits einen Artikel auf AfD-Info, einem AfD-kritischem Blog, gelesen habe, und Freitag quasi sämtliche Medien (Weser Kurier, Tagesspiegel, Bild) über die Wahlkampfveranstaltung berichteten, sehe ich mich gezwungen, meine Erlebnisse dieses Tages niederzuschreiben.

Noch vor Beginn der Veranstaltung konnte ich ein paar Menschen als spätere Störenfriede zu identifizieren, aber ebenso meinte ich auch einige rechtsradikale unter den Parteianhängern und Ordnern zu erkennen. Wohlgemerkt unter den Ordnern, denn es war sowohl ein Sicherheitsdienst, als auch Parteieigene Ordner vor Ort. Die Medien haben diese wohl teilweise nicht auseinandergehalten.

Da war der „schmierige“ Typ in braunem Hemd, dem eigentlich bloß das Hitlerbärtchen fehlte.
Eine Gruppe junger Menschen mit stramm zurückgegeltem Haar, die den Beruf Sohn auszuüben scheinen.
Ein Motorradrocker im Harley Davidson T-Shirt.
Viele ältere Menschen und Rentner.
Eine Gruppe Jugendlicher, die sich in die letzten Reihen begaben und recht kritisch schauten.
Ein Typ mit längeren Haaren und kleiner Kamera.

Die Veranstaltung begann ruhig. Von Seiten der Vortragenden im Raum wurde gegen die „Arbeitsfeindlichen“ Demonstranten draußen gehetzt, diese als linksradikal eingeordnet und gegen jene gehetzt. Viel Applaus. Aus den hinteren Reihen hönisches grinsen, vereinzelt versteckte Mittelfinger.
Einer der Ordner setzte sich zu den kritisch ausschauenden Jugendlichen, provozierte und stichelte durch sein Verhalten immer wieder gegen seine Nachbarn.

Doch der erste Veranstaltungsblock blieb ohne Unterbrechungen. Auf die politischen Äußerungen möchte ich hier nicht mehr weiter eingehen.

In der Pause begannen dann die Unruhen.

Der nach Reporter aussehende Langhaarige klatscht zweimal in die Hände: „Vielen Dank, sehr verehrte Damen und Herren schoneinmal für Ihre Aufmerksamkeit. Ich möchte sie darauf hinweisen, dass die Partei…“ weiter kommt er nicht, wird vom Sicherheitsdienst nach draußen begleitet.
Aufruhr in der linken Seite des Raumes. Zwei weitere Reporter werden unter viel Geschrei nach draußen gebracht. Nach den Medienberichten würde ich diese beiden als die TAZ-Reporter identifizieren. Vorher waren sie mir nicht wirklich aufgefallen, ein besonders hartes Vorgehen des Sicherheitsdienstes aber auch nicht.
„So, das reicht jetzt! Sicherheitsdienst! Bringen Sie den jungen Herren bitte vor die Tür, ich mache vom Hausrecht gebrauch!“ Der Aufschrei des Ordners, welcher bereits während der Veranstaltung die Jugendlichen provoziert hat. Laut einigen Medien handelte es sich hierbei wohl um Mitglieder der JuSos. Trotz seines Wiederspruches, dass er doch nichts getan habe, er wolle doch bloß eine Frage beantwortet haben, wird er aus dem Saal gebracht.

Die Reihen haben sich zu Beginn des zweiten Blocks ein wenig gelehrt. Bernd Lucke tritt an das Rednerpult und beginnt taktisch klug. Er spricht sich für freie Meinungsäußerung aus. Kurze Zeit später in einer Applausphase schimpfen zwei Mädchen gegen Lucke. Ein junger Mann nutzt den Aufruhr und rennt auf Lucke zu. Er wird von Zuschauern aufgehalten und zusammen mit den Mädchen aus dem Raum geführt. Lucke kontert im Anschluss, das er ja soeben über freie Meinungsäußerung geredet habe. Soviel hielten also die Gegner seiner Partei von Demokratie.

Der Vorwurf der Partei, es habe sich hierbei erneut um einen Anschlag auf Lucke gehandelt, entkräftigt die Polizei. Der junge Mann war unbewaffnet. Ein zufällig der Partei zugespieltes Video zeigt den Vorfall. In Wirklichkeit wurde die gesamte Veranstaltung von den Ordnern gefilmt.

Die restliche Veranstaltung verlief ruhig – mit Ausnahme des Lärms der Demonstranten -.

Alles in allem war die Veranstaltung inhaltlich alles andere als das, was ich erwartet habe. Während der erste Block auf einer sachlichen Ebene aber sehr polemisch war, der nicht hinterfragendes Publikum schnell überzeugt, ging es im zweiten Teil um die Person Lucke und seine Sache. „Ich habe damals während meines Studiums, wenn ich eine Prüfung nicht bestanden habe, noch EINMAL die Möglichkeit gehabt, meine Leistung zu verbessern. Heutzutage gibt es nach dem zweiten Versuch einen Dritten, Vierten, Fünften… Ein Kollege spottete einmal, man möge den Studenten doch direkt bei der Immatrikulation das Diplom in die Hand drücken, und nur jene, die es nicht annehmen wollten prüfen“ (Viel Beifall von Rentern) um bloß ein Beispiel zu nennen.
Insgesamt hat sich die Alternative auf dieser Veranstaltung gut in die Rolle eines Opfers gestellt, welches die einzige Wahrheit vertritt.

 

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